Das Gilgamesch-Epos ist das älteste literarische Werk der Menschheit — vor rund 4000 Jahren in Keilschrift in Tontafeln festgehalten, in der akkadischen Sprache. Es erzählt von Gilgamesch, dem König der mesopotamischen Stadt Uruk (heute im Süden des Irak), und seinem Freund Enkidu.
Inhalt
Gilgamesch, halb Gott, halb Mensch, regiert Uruk mit harter Hand. Die Götter erschaffen Enkidu, einen wilden, naturnahen Mann, als Gegengewicht. Die beiden ringen, schließen Freundschaft, ziehen gemeinsam in Abenteuer (gegen den Waldhüter Humbaba, gegen den Himmelsstier). Enkidu stirbt, was Gilgamesch in eine existenzielle Krise stürzt — er macht sich auf die Suche nach Unsterblichkeit, scheitert, kehrt zurück und akzeptiert seine Sterblichkeit. Eine erstaunlich modern wirkende Geschichte, älter als die Bibel und Homer.
Bier auf Tafel zwei
Auf der zweiten Tafel des Epos wird beschrieben, wie Enkidu zum Menschen wird. Eine Tempeldienerin (Schamhat) bringt ihn zu den Hirten, die ihn baden, salben und ihm zu essen und zu trinken geben. Der berühmte Vers:
Bier zu trinken war ihm nicht beigebracht. Schamhat öffnete den Mund und sprach zu Enkidu: "Iss das Brot, Enkidu, das gehört zum Leben. Trink das Bier, das ist die Sitte des Landes."
Sieben Krüge Bier trinkt Enkidu, sagt der Text, und wird zum Menschen — zur Zivilisation gehörend. Die Übersetzungen variieren leicht ("seven jars" / "seven jugs"), aber der Punkt ist klar: Bier ist im Gilgamesch-Epos der Initiationsritus zur Zivilisation. Nicht das Brot allein, nicht die Sprache, nicht das Feuer — das Bier macht den Wilden zum Mitglied der Gemeinschaft.
Bedeutung
Das Gilgamesch-Epos ist damit gleichzeitig der Beginn der Weltliteratur und das früheste Zeugnis einer dokumentierten Bierkultur. Wenn man so will: die Weltliteratur fängt mit einem Loblied aufs Brauwerk an. Das ist mehr als nur eine schöne Pointe — es zeigt, wie alt und tief die Verbindung von Schrift, Kultur und Bier ist.
Verwandte Begriffe
- Ninkasi — die sumerische Göttin des Bieres
- Klosterbier — die mittelalterliche Fortsetzung dieser Tradition
Im Magazin
Bier und Literatur — Eine Liebesgeschichte über 4000 Jahre