Lexikon
Begriffe, Personen und Werke rund um Bier und Literatur — kurz erklärt. Wird laufend erweitert.
A
- Ale — Sammelbegriff für obergärig vergorene Biere. Hefe arbeitet warm und an der Oberfläche. Aromareicher als Lager.
- Auerbachs Keller — Bierkeller in Leipzig, Schauplatz der Trinkszene in Goethes Faust I. Existiert seit dem 16. Jahrhundert, ist heute eine Touristenattraktion und Restaurant.
B
- Beat-Generation — Literarische Bewegung der 1950er Jahre in den USA — Kerouac, Ginsberg, Burroughs. Schrieben spontan, jazzartig, mit Bier in der Hand.
- Berlin Alexanderplatz — Großstadtroman von Alfred Döblin (1929). Spielt im Berlin der späten 1920er Jahre. Bier ist Berliner Alltagsstoff in Eckkneipen und Mietshäusern.
- Bockbier — Starkbier mit min. 16 Grad Stammwürze, ursprünglich aus Einbeck, perfektioniert in München. Doppelbock geht noch weiter.
- Brecht, Bertolt — Deutscher Dramatiker und Lyriker (1898–1956). Geboren in Augsburg, das er nie ganz verlassen hat. Bier-Bezüge in *Mahagonny* und in Briefen.
- Bukowski, Charles — Amerikanischer Dichter und Romancier (1920–1994). Werke fast immer mit Bier in der Hand geschrieben. Hat Bier in die Hochliteratur eingelassen.
C
- Carmina Burana — Mittellateinische Liedsammlung aus dem 11.-13. Jahrhundert mit vielen Trink- und Vagantenliedern. 1937 von Carl Orff vertont.
D
- Doppelbock — Bockbier in der Verstärkung — ab 18 Grad Stammwürze. Ursprung in den bayerischen Klöstern als "flüssiges Brot" für die Fastenzeit.
F
- Faust — Verstragödie von Goethe (Teil I 1808, Teil II 1832). Mit der berühmten Trinkszene in Auerbachs Keller — bis heute ein Bierlokal in Leipzig.
- Fontane, Theodor — Deutscher Erzähler (1819–1898), Chronist des preußischen Bürgertums. In seinen Romanen ist Bier der ständige Hintergrund-Sound.
G
- Gilgamesch-Epos — Das älteste literarische Werk der Menschheit. Vor rund 4000 Jahren auf Tontafeln verfasst. Erwähnt Bier auf der zweiten Tafel.
- Goethe, Johann Wolfgang von — Deutscher Dichter (1749–1832). Trank vor allem Würzburger Frankenwein. Bier kommt in seinem Werk hauptsächlich in Auerbachs Keller im Faust vor.
H
- Hefe — Mikroorganismus, der Zucker in Alkohol und Kohlensäure umwandelt. Entscheidet maßgeblich über den Charakter des Bieres.
- Heine, Heinrich — Deutscher Dichter und Publizist (1797–1856). Spottete im Pariser Exil über die "Bierstimmen" der deutschen Patriotismus-Reden.
- Hemingway, Ernest — Amerikanischer Schriftsteller (1899–1961). Werk durchzogen von Bars, Cafés und Schlucken. Bier nicht romantisiert, aber auch nicht versteckt.
- Hofbräuhaus München — Bayerische Brauerei und Wirtshaus in München, seit 1589 staatliche Brauerei. Eine der bekanntesten Bier-Adressen der Welt.
- Hölderlin, Friedrich — Deutscher Dichter (1770–1843). Eine der zentralen Stimmen zwischen Klassik und Romantik. Berühmtes Zitat: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch."
- Hopfen — Eine der vier Zutaten des Bieres. Dolden bringen Bitterkeit, Aroma und natürliche Konservierung. Wichtigste deutsche Sorten Saaz, Hallertauer, Tettnanger.
K
- Kafka, Franz — Deutschsprachig-tschechischer Erzähler (1883–1924). Drei große Romanfragmente, viele Erzählungen. Schreibplatz waren die Prager Cafés.
- Kästner, Erich — Deutscher Schriftsteller (1899–1974). Bekannt für Kinderbücher und für *Fabian* (1931). Lakonischer Stil, Bier als Berliner Alltagsdetail.
- Kerouac, Jack — Amerikanischer Romancier (1922–1969), Hauptfigur der Beat-Generation. On the Road ist ein Netz aus Bars und Highways.
- Klosterbier — Sammelbezeichnung für Biere aus europäischen Klöstern. "Flüssiges Brot" der Fastenzeit. Heute noch lebendige Tradition.
- Kraus, Karl — Österreichischer Publizist (1874–1936). Herausgeber der Fackel. Sprachkritik als Lebenswerk, scharfe Polemik gegen Phrase und Lüge.
- Kulmbacher — Bierstadt in Oberfranken, bekannt für kräftige Biere. In Thomas Manns Zauberberg trinkt Hans Castorp ein Glas Kulmbacher und wird benommen.
L
- Lager — Sammelbegriff für untergärig vergorene Biere. Längere Lagerzeit, klarer Geschmack. Pilsner, Helles, Märzen, Bock — alles Lager-Familie.
- Lichtenberg, Georg Christoph — Deutscher Aphoristiker und Naturwissenschaftler (1742–1799). Aufklärer in Göttingen. Begründer der deutschen Aphoristik durch die Sudelbücher.
M
- Malz — Eine der vier Zutaten des Bieres. Gekeimtes und getrocknetes Getreide. Bringt Zucker für die Gärung und prägt Farbe und Charakter.
- Mann, Thomas — Deutscher Erzähler (1875–1955), Nobelpreis 1929. Im Zauberberg ist Bier subtil, aber präzise eingesetzt — als Wegweiser in die Sanatoriums-Zeit.
N
- Ninkasi — Sumerische Göttin des Bieres und der Brauerei. Eine antike Hymne ist gleichzeitig das älteste überlieferte Brau-Rezept der Welt — in Versform.
O
- Obergärung — Gärverfahren mit Hefen, die warm (15–24 °C) und an der Oberfläche der Würze arbeiten. Ergibt Ales, Weizenbiere, Stouts. Gegenpol zur Untergärung.
P
R
- Reinheitsgebot — Erlassen 1516 in Bayern. Erlaubt nur Wasser, Hopfen, Malz, Hefe. Ältestes noch geltendes Lebensmittelgesetz der Welt.
- Reisebilder — Vierbändige Reise-Prosa von Heinrich Heine (1826–1831). Spöttische Beobachtungen über deutsche Bürgerlichkeit, Bier und nationale Selbstgefälligkeit.
- Rilke, Rainer Maria — Österreichisch-deutschsprachiger Lyriker (1875–1926). Subtile, oft melancholische Verse. Trinken bei Rilke ist Stille, kein Rausch.
S
- Saazer Hopfen — Edelhopfen-Sorte aus der Region Žatec in Nordwest-Böhmen. Würzig, zurückhaltend, sehr fein. Klassischer Pilsner-Hopfen.
- Schiller, Friedrich — Deutscher Dichter und Dramatiker (1759–1805). Berühmt-berüchtigt für seine Schreibstube voller fauler Äpfel als Inspirationshilfe.
- Schimmelreiter, Der — Novelle von Theodor Storm (1888), seine letzte und berühmteste. Pflichtlektüre vieler deutscher Schulen — oft missverstanden als bloße Gespenstergeschichte.
- Stammwürze — Maß für die zuckerhaltigen Anteile der Würze vor der Gärung — gemessen in Grad Plato. Bestimmt Bierstärke, Alkoholgehalt und Bierkategorie.
- Storm, Theodor — Norddeutscher Erzähler und Lyriker (1817–1888) aus Husum. Stille Schreibweise, sparsam, präzise. Bekanntestes Werk: Der Schimmelreiter.
T
- Tucholsky, Kurt — Deutscher Publizist und Satiriker (1890–1935). Zentrale Stimme der Weimarer Republik. Bier als Berliner Stimmung in seinen Glossen.
U
- Untergärung — Gärverfahren mit Hefen, die kalt (4-9 °C) und am Tankboden arbeiten. Ergibt klare, sauber schmeckende Lagerbiere.
W
- Wallenstein — Dramen-Trilogie von Schiller (1798–1799) über Wallenstein und den Dreißigjährigen Krieg. Schillers ambitioniertestes Geschichtsdrama.
- Wittgenstein, Ludwig — Österreichisch-britischer Philosoph (1889–1951). Sprachphilosophie. „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."
- Würze — Zuckerhaltige Flüssigkeit aus Malz und Wasser. Wird durch Hefe zu Bier vergärt. Stammwürze (in Grad Plato) bestimmt die Bierstärke.
Z
- Zauberberg, Der — Roman von Thomas Mann (1924). Sanatorium in Davos. Berühmt: die Kulmbacher-Bier-Szene als literarisches Memento mori.
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