Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz — Die Geschichte vom Franz Biberkopf ist ein Roman von Alfred Döblin, erschienen 1929. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Großstadtromane des 20. Jahrhunderts und wurde mehrfach verfilmt — am berühmtesten 1980 von Rainer Werner Fassbinder als 14-teilige Fernsehserie.

Handlung

Der Roman erzählt die Geschichte von Franz Biberkopf, einem Mann, der nach vier Jahren Haft (wegen Totschlags an seiner Geliebten) ins Berlin der späten 1920er Jahre entlassen wird. Er versucht, ein „anständiges Leben" zu führen, scheitert aber wiederholt — gerät in kriminelle Kreise, verliert einen Arm, trifft auf eine zentrale Antagonistenfigur (Reinhold), durchläuft mehrere Krisen.

Form

Was den Roman literarisch bedeutsam macht, ist seine Form. Döblin verwendet Montage-Techniken: Zeitungsausschnitte, Werbetexte, Wetterberichte, Bibel-Zitate, Volkslieder und Polizeiberichte werden zwischen die Erzählung montiert. Das macht den Großstadt-Lärm und die Gleichzeitigkeit verschiedener Diskurse hörbar — ähnlich wie Joyce in Ulysses (1922) oder Dos Passos in Manhattan Transfer (1925).

Bier in Berlin Alexanderplatz

Bier ist im Roman Berliner Alltagsstoff: Stehkneipen, Eckkneipen, Bahnhofs-Lokale. Biberkopf trinkt es, seine Kumpane trinken es, Ganz-Berlin trinkt es — als Selbstverständlichkeit, die das Gerüst des Tagesablaufs bildet.

Charakteristisch ist eine Stelle, in der Biberkopf nach seiner Haftentlassung in eine Eckkneipe geht und mit dem ersten Bier in der Hand spürt, dass er „wieder zurück" ist. Bier markiert hier die Wiedereingliederung in die Stadt, das Funktionieren-im-Alltag.

Wirkung

Berlin Alexanderplatz hat den deutschen Großstadtroman geprägt und ist heute weltweit kanonisch. Döblin selbst wurde nach 1933 ins Exil getrieben (Frankreich, USA), kehrte 1945 nach Deutschland zurück, starb 1957 in Emmendingen — eine Ironie der Geographie für ein Brand, das eng mit dem Landkreis Emmendingen verbunden ist.

Verwandte Begriffe

  • KästnerFabian (1931) ist das andere große Berlin-Werk derselben Zeit
  • Tucholsky — Berliner Beobachter aus journalistischer Perspektive

Im Magazin

Bier und Literatur — Eine Liebesgeschichte über 4000 Jahre


← Zurück zum Lexikon