Hefe

Hefe ist eine der vier Zutaten des Bieres nach dem Reinheitsgebot — und biologisch gesehen ein einzelliger Pilz, der Zucker zu Alkohol und Kohlensäure verstoffwechselt. Ohne Hefe gibt es keine Gärung, ohne Gärung kein Bier.

Was die Hefe macht

In der zuckerhaltigen Würze, die nach dem Maischen aus Malz und Wasser gewonnen wurde, frisst die Hefe innerhalb weniger Tage einen Großteil der Zucker. Als Stoffwechsel-Nebenprodukte entstehen Ethanol (Alkohol), Kohlendioxid (Kohlensäure) sowie eine Vielzahl an Aromaverbindungen — Ester, höhere Alkohole, Phenole. Diese Aromen prägen das fertige Bier mindestens so stark wie Hopfen oder Malz.

Obergärig vs. untergärig

Im Bier unterscheidet man zwei Hauptklassen von Hefe:

  • Obergärige Hefe (Saccharomyces cerevisiae) — arbeitet bei 15–24 °C an der Oberfläche der Würze. Aromareich, fruchtig, oft Ester-betont. Erzeugt Ales.
  • Untergärige Hefe (Saccharomyces pastorianus) — arbeitet bei 4–9 °C am Tankboden. Sauberer im Geschmack, weniger Ester, mehr Reduktion. Erzeugt Lager und Pilsner.

Die untergärige Hefe ist evolutionär jünger — ihre Hauptverbreitung kam erst mit der Erfindung künstlicher Kühlung im 19. Jahrhundert, weil sie ganzjährige Brauerei ermöglichte.

Hefe als Geschmacks-Signatur

Was viele Trinker für "Hopfen-Aroma" halten, ist in Wahrheit oft ein Ester-Profil der Hefe. Bayerisches Weißbier hat seine Banane-Nelken-Note nicht vom Weizen, sondern von der spezifischen Weizenbier-Hefe. Belgische Trappisten haben ihre fruchtige Würze von ihren hauseigenen Hefen. Hefe-Stämme sind oft das streng gehütete Familiengeheimnis einer Brauerei — eine Brauerei, die ihren Hefe-Stamm verliert, verliert einen Teil ihrer Identität.

Verwandte Begriffe


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