Ale

Ale ist die Sammelbezeichnung für obergärig vergorene Biere — also Biere, deren Hefe bei wärmeren Temperaturen (15–24 °C) an der Oberfläche der Würze arbeitet. Damit ist Ale der historische Gegenpol zum Lager, bei dem die Hefe kalt und am Tankboden gärt.

Wie Ale entsteht

Obergärung bedeutet, dass die Hefekulturen nach getaner Arbeit nach oben steigen und auf der Würze einen dichten Schaumdeckel bilden. Diese Gärart war jahrhundertelang die einzig praktikable in Mitteleuropa und Großbritannien — bevor die Erfindung mechanischer Kühlung im 19. Jahrhundert die Untergärung ganzjährig ermöglichte. Bis dahin war Bier in den Sommermonaten in den meisten Brauereien schlicht nicht herzustellen.

Stile und Charakter

Zur Ale-Familie gehören die meisten britischen und belgischen Bierstile: Pale Ale, India Pale Ale (IPA), Stout, Porter, Brown Ale, Trappistenbiere, Saison, Witbier. Sie sind in der Regel kräftiger im Aroma als Lagerbiere, oft fruchtiger (durch Estergehalt der obergärigen Hefe), gelegentlich hopfen- oder gewürzbetonter. Wo das Pilsner Klarheit und Reduktion sucht, sucht das Ale Charakter und Tiefe.

Bier und Literatur

In Großbritannien — der Heimat des Ales — ist Bier seit Chaucer in die Literatur eingelassen. Die englischen Romantiker (Coleridge, Wordsworth) trinken in ihren Briefen "ein Glas Ale" so selbstverständlich wie Tee. Auch in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts taucht Ale regelmäßig auf — bei Hemingway in Pubs in Pamplona, bei Kerouac in heruntergekommenen Bars an Highways. Was sich in Deutschland um das Pilsner abspielt, spielt sich in der angelsächsischen Welt um das Ale.

Verwandte Begriffe

  • Lager — der untergärige Gegenpol
  • Untergärung — kalt-langsame Gärung
  • Hefe — bestimmt den Stil entscheidend mit
  • Pilsner — Klarheit statt Charakter

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