Storm, Theodor

Theodor Storm (1817–1888) war ein deutscher Erzähler und Lyriker — der wohl bekannteste norddeutsche Schriftsteller seiner Zeit. Geboren in Husum (Schleswig-Holstein), prägte er den literarischen Realismus mit seinen knappen, atmosphärischen Novellen.

Werk

Storms Werk umfasst:

  • Lyrik: gefühlsvolle, oft melancholische Gedichte (Oktoberlied, Die Stadt — "Am grauen Strand, am grauen Meer / Und seitab liegt die Stadt")
  • Novellen: Immensee (1849), Aquis submersus (1876), Pole Poppenspäler (1874), und sein literarisches Vermächtnis Der Schimmelreiter (1888)

Insgesamt schrieb er rund 50 Novellen, viele davon klein, dicht, voller atmosphärischer Stimmung.

Stil: stille Präzision

Storm ist berühmt für seinen knappen, sparsamen Stil — ganz das Gegenteil von ausschweifender Prosa. Seine Sätze sind oft nur wenige Worte lang, seine Bilder klar und konkret. Die typische Storm-Stimmung: Nebel über der Marsch, Möwen über dem Watt, ein schweigsamer Mensch am Fenster, das Meer hinter dem Deich.

Ein Storm-Vergleich: wenn Fontane beim Plaudern eine ganze Welt entstehen lässt, lässt Storm beim Schweigen eine Stimmung entstehen. Beide sind Realismus, beide deutsch, beide präzise — aber stilistisch sehr unterschiedlich.

Verbindung zu Husum

Storm und Husum sind untrennbar. Er wurde dort 1817 geboren, war als Anwalt und später als Amtsrichter tätig, und auch wenn er einige Jahre in Heiligenstadt (Thüringen) im Exil lebte, kehrte er immer nach Husum zurück. Die Stadt benannte ihn nach seinem Tod zum Ehrenbürger und enthüllte zehn Jahre später eine Gedenkbüste.

Heute kann man in Husum das Theodor-Storm-Haus besichtigen, dazu das Museumsangebot rund um seinen Geburtsort und Wohnort. Die Stadt vermarktet sich nicht zu Unrecht als "Storm-Stadt".

Bier und Storm

Storm ist Bier gegenüber zurückhaltender als andere Norddeutsche. In seinen Novellen kommen Wirtshäuser und Trinkgelage zwar vor, aber sie bleiben im Hintergrund — wie das Wetter, vorhanden ohne genannt zu werden. Bei Storm geht es eher um Stille, Nebel und das, was zwischen den Sätzen liegt. Bier ist da, aber leise.

Verwandte Begriffe

Im Magazin

Bier und Literatur — Eine Liebesgeschichte über 4000 Jahre


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