Auerbachs Keller ist ein historischer Bierkeller in Leipzig, gelegen unter der Mädler-Passage am Marktplatz. Bekannt vor allem als Schauplatz einer zentralen Szene in Goethes Faust I — der Trinkszene mit Mephisto und den vier Studenten Frosch, Brander, Siebel und Altmayer.
Geschichte
Der Keller wurde 1525 von Heinrich Stromer (genannt „Doktor Auerbach") gegründet, einem Leipziger Mediziner und Universitäts-Rektor. Stromer ließ in seinem Haus einen Weinausschank einrichten — ursprünglich kein Bier-, sondern ein Weinlokal. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Keller zum gemischten Trinkort, später zum klassischen Bierlokal mit Brauerei-Restaurant.
Die Faust-Sage lebt in Leipzig seit dem 16. Jahrhundert: Der historische Faust soll in den 1520er Jahren in Leipzig gewesen sein und dort getrunken haben. Goethe übernahm die lokale Faust-Tradition und verlegte einen Akt seines Dramas in genau dieses Lokal.
In Goethes Faust
Im Faust I (1808) führt Mephisto den ermatteten Faust nach Auerbachs Keller, um ihm „die Leichtigkeit des Lebens" zu zeigen. Vier Studenten singen Trinklieder; Mephisto inszeniert ein Wunder, indem er aus dem Tisch verschiedene Weine zaubert. Am Ende verwandelt sich der Wein in Feuer — ein theologisch bedeutsamer Moment, in dem die Trinkszene als Verführungsversuch entlarvt wird.
Die berühmtesten Verse aus dieser Szene:
- „Uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen!"
- „Es war eine Ratt' im Kellernest..."
- „Mir ist ein feucht-fröhlich Lied jetzt, eben recht..."
Die Stelle ist eine der meistzitierten in der deutschen Literatur — und einer der seltenen Goethe-Bezüge, in denen Bier (statt Wein) eine Rolle spielt.
Heute
Auerbachs Keller existiert weiterhin als Restaurant in Leipzig (Mädler-Passage), mit historischer Einrichtung, Faust-Bezug an jeder Wand, Touristenmagnet. Vor dem Eingang steht ein Goethe-Faust-Denkmal von Mathieu Molitor (1913).
Verwandte Begriffe
Im Magazin
Goethe Bier-Zitat — Was er wirklich gesagt hat · Bier und Literatur — Eine Liebesgeschichte über 4000 Jahre